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Die Schöne und das Tier: die schönsten Filme

Die Schöne und das Tier Filme

Die Schöne und das Tier“ zählt zu den weltweit bekanntesten Märchen und wurde entsprechend oft adaptiert. Zwei äußerst gelungene filmische Umsetzungen möchte euch Christian hier vorstellen.

Die Schöne und das Tier: Märchen schreibt die Zeit…

Märchen schreibt die Zeit… Beim Stichwort „Die Schöne und das Biest“, unter dem das Märchen „Die Schöne und das Tier“ geläufig ist, denken die meisten wohl zuerst an die Disney-Verfilmung aus dem Jahr 1991. Und das zu Recht, finden wir, denn die Zeichentrickfilmadaption gehört zu den gelungensten Umsetzungen des Märchenstoffes überhaupt. Nicht umsonst hat der Film zahlreiche Auszeichnungen erhalten, unter anderem je einen Oscar für die Beste Filmmusik und den Besten Song. „Märchen schreibt die Zeit“ eben.

Und was erfolgreich ist, muss im Hause Disney auch ordentlich ausgeschlachtet werden und so folgten dem Film mit „Belles Weihnachtszauber“ und „Belles zauberhafte Welt“ zwei weniger gelungene Fortsetzungen sowie eine, unserer Meinung nach, völlig misslungene Live-Action-Verfilmung im Jahr 2017. Und das war es noch nicht: Am 18. April 1994 feierte Disney’s „Die Schöne und das Biest“ als erster Disney-Zeichentrickfilm seine Musicalpremiere am Broadway. Bis heute sahen das Stück, das in apgespeckterer Fassung in Deutschland immer wieder als Tourneeproduktion unterwegs ist, rund 25 Millionen Menschen in 13 Ländern.

Die Schöne und das Tier: mehr als Disney

Der Erfolg des Disneyfilms drängt andere Verfilmungen von „Die Schöne und das Tier“ schnell in den Hintergrund. Dabei ist die Disney-Fassung bei Weitem nicht die einzige filmische Adaption des Märchenklassikers. Die Liste an Verfilmungen ist tatsächlich lang und umfasst Animationsfilme ebenso wie Realverfilmungen.

Zwei ganz besondere Filme stellt Christian in unserer Märchenkunde „Love is everywhere“ (Folge 61) vor. Darin beschäftigen wir uns nicht nur mit der Liebe im Märchen, sondern auch mit „Die Schöne und das Tier“ von Jeanne-Marie Leprince de Beaumont, das wir als Hörspielfassung für unsere Folge 60 eingelesen haben. Warum Christian diese beiden Fassungen so sehr mag, könnt ihr hier noch einmal nachlesen.

Der Klassiker aus dem Jahr 1946

Der Klassiker schlechthin, der die Entwicklung des Märchen- und Fantasyfilms als Genre nachhaltig geprägt hat, ist „Die Schöne und die Bestie“ (so der Titel der DVD/BluRay-Veröffentlichung, auch bekannt unter „Es war einmal“) aus dem Jahr 1946. Seine Premiere feierte er immerhin bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes desselben Jahres, der deutsche Kinostart war 1947. Diese alte Synchronisation ist erhalten geblieben und wurde durch keine neue, vermeintlich bessere ersetzt (wie es bei Disney ja gerne mal der Fall ist). Regisseur Jean Cocteau wollte seinen Film ursprünglich in Farbe drehen, durch die Ermangelung an Material kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs konnte er diesen Plan jedoch nicht umsetzen. Und man kann in diesem Fall wohl sagen: Gott sei Dank!

Die ausgeklügelte Bildästhetik mit ihrem kongenialen Spiel von Licht und Schatten kommt in schwarz-weiß viel eindringlicher zur Geltung. Das eher minderwertige Bandmaterial setze Cocteau für die fantastischen und traumähnlichen Sequenzen ein und machte so aus der Not eine Tugend. Unvergessen bleibt die in Zeitlupe gedrehte Szene, in der Bella, gespielt von der wunderschönen Josette Day, durch die Gänge des Schlosses schreitet, ja fast schon schwebt. Die Kerzenhalter an den Wänden sind echte Menschenarme, die sich bewegen, was aber keineswegs albern oder befremdlich wirkt. Ähnlich eindrucksvoll sind die kunstvoll in den Kamin des Herrenzimmers integrierten „echten“ Gesichter, die sich umschauen und beizeiten Rauch aus den Nasenlöchern blasen.

Barocke Szenerie

Angesiedelt ist die Szenerie im strengen französischen Barock des 17. Jahrhunderts, obwohl die literarische Vorlage ja aus dem 18. Jahrhundert stammt. Allein Bella und die Bestie, verkörpert von Cocteaus Lebensgefährten Jean Marais, den wir bereits als König aus Eselshaut kennen, stechen durch ihre wahrlich prächtige Kleidung hervor. Das Drehbuch hält sich recht nah an die Version von Madame Leprince de Beaumont, bricht jedoch direkt zu Beginn des Films mit Aufnahmen aus dem Konzeptionsstudio mit dem märchenhaft Entrückten. So mahnt es uns zugleich an die Fiktionalität als auch die Universalität des Stoffes – eben zeitlos, aktuell und vielschichtig.

Selbstverständlich entspricht „Die Schöne und die Bestie“ nicht mehr den heutigen Sehgewohnheiten und sein Pathos ist mittlerweile eher ein historisches Zeugnis der cineastischen Geschichte. Es lohnt sich aber dennoch, den Film anzusehen. Denn auch akustisch hat der Film durch den wunderbaren Soundtrack von Georges Auric Einiges einiges zu bieten.

Psychedelisches Farbenspiel: Die feuerrote Blume

Ganz anders ist die sowjetische Adaption „Die feuerrote Blume“ aus dem Jahr 1977 nach der Fasung von Sergej Aksakow angelegt. Zwar hat die Regisseurin Irina Powolozkaja ähnlich wie Cocteau und doch unvergleichlich eine beeindruckende Lichtästhetik geschaffen. Sie spielt aber vor allem mit Farben und fast schon psychedelisch wirkenden, traumähnlichen Sequenzen. In den Momenten, in denen die titelgebende Blume eine tragende Rolle spielt bzw. ihre Macht zeigt, ist das gesamte Bild in ein feuriges Orange getaucht. Die Nachtszenen, wegen starken Schattenwurfs eindeutig tagsüber gedreht, sind in ein mystisches, dumpfes Blau getaucht. Erst nach der Erlösung des Waldungeheuers wird alles wieder in sein rechtes Licht gerückt.

Die zwei Welten der Handlung könnten verschiedener kaum sein. Die folkloristisch-bäuerliche Umgebung des russischen Dorfes, in dem der Kaufmann mit seiner Familie lebt, und das Rokokoschloss der Zauberin bilden einen bildgewaltigen Kontrast. Hervorzuheben sind die schauspielerischen Leistungen der Hauptdarsteller*innen. Vor allem Lew Durow als Kaufmann und Alla Demidowa als Zauberin spielen großartig nuanciert und wirklich beeindruckend. Der von Edison Denisow komponierte Soundtrack ist teils schwelgerisch spätromantisch, teils eher experimentell. Immer passend auf die Szenerie abgestimmt, trägt er zur intensiven Wirkung des ungewöhnlichen, aber sehr sehenswerten Filmes bei. Eine deutsche Übersetzung der literarischen Vorlage von Aksakow findet ihr übrigens unter dem Titel „Die purpurrote Blume“ in dem Band „Russische Märchen“ aus dem Verlag Königsfurt-Urania, der von Sigrid Früh herausgegeben wurde.

➛ Mehr über die hier vorgestellten Adaptionen und viele weiteren Infos und Hintergründe rund um das Märchen „Die Schöne und das Tier“ hört ihr in Folge 61 „Love is everywhere“.


Bildnachweis: Walter Crane creator QS:P170,Q660917, La Belle et la Bête Walter Crane, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

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